Im Octagon stark, in der Karriere fehlt uns das Leben dazwischen
Transparenz-Hinweis:
EA hat uns einen PS5-Key zur Standard Edition von EA Sports UFC 6 zur Verfügung gestellt. Wir haben uns verschiedene Bereiche angesehen, unser größtes Interesse galt aber der Karriere mit einem selbst erstellten Fighter.
Und direkt gesagt: Sobald sich die Käfigtür schließt, macht UFC 6 vieles richtig.
Treffer fühlen sich härter an, Bewegungen wirken flüssiger und Kämpfe entwickeln schneller ihre eigene Dynamik. Außerhalb des Octagons stellt sich bei uns jedoch schon bald ein bekanntes Gefühl ein.
Gerade die Karriere hätte für uns der Modus sein können, der UFC 6 wirklich auf ein neues Level hebt. Stattdessen verwalten wir unseren Fighter weiterhin häufiger, als dass wir seine Geschichte tatsächlich erleben.
Im Octagon fühlt sich UFC 6 richtig gut an
Das eigentliche Kämpfen ist klar die größte Stärke von UFC 6.
Schläge und Tritte haben spürbar mehr Wirkung. Kombinationen lassen sich sauber aufbauen und die verschiedenen Kampfstile fühlen sich deutlich genug voneinander getrennt an.
Ein offensiver Fighter spielt sich anders als jemand, der auf Distanz bleibt und auf Konter wartet. Timing, Reichweite und Kondition sind wichtig. Wer einfach nur wild nach vorne geht, kann schnell in einen sauberen Gegentreffer laufen.
Auch die sichtbaren Schäden tragen viel zur Atmosphäre bei.
Cuts, Schwellungen und angeschlagene Körperteile verändern nicht nur das Aussehen eines Fighters. Sie erzählen während des Kampfes ihre eigene kleine Geschichte. Ein früher Cut kann uns dazu zwingen, anders zu kämpfen. Eine verlorene erste Runde verändert den Druck. Ein einziger sauberer Treffer kann ein Duell komplett drehen.
Genau in diesen Momenten ist UFC 6 stark.
Nicht, weil alles komplett neu ist.
Sondern weil sich das bekannte Fundament runder, direkter und glaubwürdiger anfühlt.
Kein Neustart, aber ein spürbarer Schritt nach vorne
Wer UFC 5 gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden.
UFC 6 verändert die Reihe nicht grundlegend. Viele Eingaben, Systeme und Abläufe fühlen sich vertraut an. Der Unterschied liegt vor allem im Feinschliff.
Die Bewegungen wirken natürlicher.
Treffer besitzen mehr Gewicht.
Das Striking reagiert sauberer.
Schäden werden besser dargestellt.
Kämpfe wirken insgesamt weniger steif.
Beim Bodenkampf fällt der Fortschritt für uns weniger deutlich aus. Grappling und Ground Game funktionieren, fühlen sich aber weiterhin eher wie eine Weiterentwicklung des bekannten Systems an als wie ein echter Neubeginn.
Wer sich dort seit Jahren einen großen Umbruch wünscht, wird auch in UFC 6 bekannte Grenzen wiederfinden.
Im Standkampf macht der neue Teil dagegen schnell deutlich, warum die Reihe weiterhin Spaß macht.
Die eigene Karriere war für uns der wichtigste Modus
Am meisten gespannt waren wir auf die Karriere mit unserem eigenen Fighter.
Genau dieser Modus sollte uns eigentlich das Gefühl geben, selbst einen unbekannten Kämpfer aufzubauen und ihn Schritt für Schritt an die Spitze zu führen.
Wir erstellen unsere Figur.
Wir wählen eine Ausrichtung.
Wir verbessern Werte.
Wir bereiten Kämpfe vor.
Wir steigen im Ranking auf.
Der Fortschritt motiviert anfangs auch. Es macht Spaß, den eigenen Fighter wachsen zu sehen und neue Möglichkeiten freizuschalten.
Doch schon nach einiger Zeit wiederholt sich der Ablauf sehr deutlich.
Kampf auswählen.
Trainingslager vorbereiten.
Aktivitäten auswählen oder simulieren.
Werte verbessern.
Kämpfen.
Danach beginnt alles wieder von vorne.
Das funktioniert.
Aber es fühlt sich eben auch wieder sehr nach dem an, was wir bereits aus früheren UFC-Spielen kennen.
Wir verwalten unseren Fighter, statt ihn zu erleben
Unser größtes Problem ist nicht, dass die Karriere zu wenig Optionen bietet.
Uns fehlt die Nähe zum eigenen Charakter.
Wir wollen nicht nur sehen, wie Werte steigen. Wir wollen erleben, was mit unserem Fighter auf diesem Weg passiert.
Wie lebt er außerhalb des Käfigs?
Wer begleitet ihn?
Wie verändert Erfolg sein Umfeld?
Wie geht er mit Niederlagen, Verletzungen oder wachsendem Druck um?
Welche Entscheidungen beeinflussen seine Vorbereitung?
Genau dort hätte UFC 6 für uns mehr Rollenspiel sein können.
Wir hätten gerne ein Gym betreten, mit Trainern gesprochen und selbst entschieden, woran wir arbeiten. Wir hätten gerne Rivalitäten oder Freundschaften erlebt, die nicht nur über kurze Menüs und Textfenster dargestellt werden.
Es hätte dafür keine riesige Open World gebraucht.
Ein kleiner begehbarer Bereich hätte schon gereicht. Ein Gym, das sich entwickelt. Trainer, die uns begleiten. Teammitglieder, zu denen Beziehungen entstehen. Kleine private Situationen, die Folgen für den nächsten Kampf haben.
Vielleicht gehen wir nach einer schlechten Entscheidung nicht vollständig erholt in den Fight.
Vielleicht verändert ein neuer Coach unseren Stil.
Vielleicht beeinflusst ein Konflikt im Team unsere Vorbereitung.
Solche Elemente könnten dafür sorgen, dass unser selbst erstellter Fighter wie eine Person wirkt und nicht nur wie eine Sammlung aus Werten, Fähigkeiten und Statistiken.
Training fühlt sich zu häufig nach Menüarbeit an
Gerade beim Training merken wir, wie sehr uns dieses direkte Erlebnis fehlt.
Natürlich wollen wir nicht jedes Camp vollständig ausspielen. Wenn wir vor jedem Kampf dieselben Übungen absolvieren müssten, würde das ebenfalls schnell langweilig werden.
UFC 6 geht für uns aber zu stark in die andere Richtung.
Wir bewegen uns durch Menüs, wählen Einheiten aus und simulieren Teile der Vorbereitung. Das ist schnell und praktisch. Es vermittelt aber kaum das Gefühl, wirklich Teil eines Gyms zu sein.
Uns fehlt der Alltag zwischen den Kämpfen.
Ein Gespräch mit dem Trainer.
Ein neuer Trainingspartner.
Eine konkrete Vorbereitung auf die Schwächen des nächsten Gegners.
Eine Verletzung, mit der wir umgehen müssen.
Eine Entscheidung darüber, wie viel Risiko wir im Camp eingehen.
Aktuell bleibt vieles funktional.
Wir verbessern unseren Fighter.
Aber wir bauen kaum eine Beziehung zu ihm auf.
Mehr Entscheidungen bedeuten nicht automatisch mehr Persönlichkeit
Die Karriere lässt uns an verschiedenen Stellen Entscheidungen treffen.
Doch viele dieser Momente bleiben an Menüs gebunden.
Wir wählen eine Option und bekommen anschließend erklärt, was passiert ist. Das kann Auswirkungen auf Werte oder den weiteren Verlauf haben, fühlt sich aber selten wie ein selbst erlebter Moment an.
Das ist für uns der entscheidende Unterschied.
Wir wollen unsere Karriere nicht nur lesen.
Wir wollen sie spielen.
Gerade bei einem selbst erstellten Fighter wäre deutlich mehr möglich. Unsere Figur könnte auf Niederlagen reagieren, sich mit Teammitgliedern zerstreiten, neue Beziehungen aufbauen oder durch öffentliche Auftritte an Popularität gewinnen.
Solche Elemente würden der Karriere nicht nur mehr Umfang geben.
Sie würden ihr Persönlichkeit geben.
Die besten Geschichten entstehen weiterhin im Kampf
Das Interessante ist, dass UFC 6 innerhalb des Octagons genau die Geschichten erzählt, die uns außerhalb davon fehlen.
Ein Kampf beginnt kontrolliert und kippt plötzlich durch einen Treffer.
Ein Gegner zwingt uns am Boden zu einem völlig anderen Plan.
Ein Cut macht aus einem sicheren Fight eine hektische Angelegenheit.
Eine verlorene Runde sorgt dafür, dass wir in der letzten Runde alles riskieren müssen.
Diese Momente entstehen direkt durch das Gameplay. Sie fühlen sich nicht vorgegeben an. Genau deshalb bleiben sie hängen.
Wir erinnern uns eher an einen engen Punktsieg oder einen überraschenden Knockout als an viele Entscheidungen aus dem Karrieremenü.
Der Sport trägt die Karriere.
Die Karriere rahmt ihn nur nicht stark genug ein.
Unser bisheriges Fazit
EA Sports UFC 6 macht im Octagon einen sehr guten Eindruck.
Die Kämpfe fühlen sich flüssiger an, Treffer besitzen mehr Wucht und die Präsentation schafft es besser, den Verlauf eines Duells sichtbar zu machen. Besonders im Standkampf wirkt UFC 6 sauberer und glaubwürdiger als seine Vorgänger.
Unser größtes Interesse galt aber der eigenen Karriere.
Und dort bleibt bei uns viel Potenzial liegen.
Der bekannte Ablauf aus Training, Kampf und Verbesserungen funktioniert weiterhin. Er wiederholt sich aber schnell und vermittelt uns zu selten das Gefühl, wirklich das Leben eines Fighters zu begleiten.
Uns fehlt keine riesige offene Welt.
Uns fehlt Persönlichkeit.
Mehr direkte Interaktion mit unserem Charakter.
Mehr erlebbare Trainingseinheiten.
Mehr Beziehungen zu Trainern und Teammitgliedern.
Mehr private Entscheidungen mit Folgen.
Mehr Rollenspiel zwischen den Kämpfen.
UFC 6 zeigt uns sehr gut, wie sich ein moderner MMA-Kampf anfühlen kann.
Jetzt müsste sich nur noch der Weg dorthin wie eine echte Karriere anfühlen.
