Drei Perspektiven auf Aincrad, Kampfsystem, Fortschritt und fehlende Abwechslung
Nach unserem eigenen Spieltest zu Sword Art Online: Echoes of Aincrad wollten wir wissen, wie andere Spieler das neue Anime-RPG erleben.
Trifft das Spiel wirklich das Gefühl von Aincrad?
Funktioniert es auch ohne Kenntnisse der Serie?
Motivieren Kämpfe, Ausrüstung und Charakterentwicklung langfristig?
Und wo verliert die Reise durch Aincrad an Wirkung?
Dafür haben wir Heljiin, whoesmoe97 und aymielogy nach ihren bisherigen Erfahrungen gefragt.
Die drei bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Heljiin kennt Sword Art Online und verbindet mit Aincrad bereits eine klare Vorstellung. whoesmoe97 hat den Anime bislang nicht gesehen und betrachtet das Spiel damit ohne Nostalgie oder Vorwissen. Für aymielogy ist Echoes of Aincrad das erste Spiel der Reihe, auch wenn sie den typischen Look und die Atmosphäre von Sword Art Online sofort erkannt hat.
Gerade diese Unterschiede machen die Antworten interessant.
Denn trotz verschiedener Blickwinkel zeigt sich ein gemeinsamer Eindruck:
Echoes of Aincrad sieht stark aus, spielt sich angenehm und kann schnell motivieren. Auf längere Sicht fehlen jedoch Abwechslung, Tempo und an manchen Stellen mehr spielerische Konsequenz.
Der SAO-Vibe entsteht nicht bei allen sofort
Heljiin hat zunächst die komplette Demo gespielt und anschließend die ersten drei Missionen der Vollversion abgeschlossen.
Ihr Einstieg verlief zunächst etwas zurückhaltender. Die Demo werfe Spieler direkt in eine Mission, ohne ausreichend zu erklären, warum diese Welt und ihre Situation besonders sind. Gegner und Umgebung erinnerten zwar früh an Sword Art Online, das eigentliche Aincrad-Gefühl habe sich für sie aber erst mit der Begegnung mit Iori, den Gesprächen innerhalb der Gruppe und der Ankunft in der Stadt entwickelt.
Erst dort entstand für sie das Gefühl, wirklich Teil dieser Welt zu sein. Besonders der erste größere Blick auf Aincrad weckte anschließend die Lust, weitere Orte zu entdecken.
Bei aymielogy setzte die Wirkung deutlich schneller ein.
Für sie traf das Spiel bereits in den ersten Momenten den typischen SAO-Vibe. Die farbenfrohe Gestaltung, der epische Look und der gleichzeitig charmante Anime-Stil erzeugten sofort eine starke Atmosphäre. Gleichzeitig betrachtet sie Spiel und Anime bewusst getrennt voneinander. Echoes of Aincrad müsse nicht exakt wie die Serie funktionieren, um als eigenes Erlebnis zu überzeugen.
Damit zeigen sich bereits zwei unterschiedliche Einstiege.
Für Heljiin braucht Aincrad etwas Zeit, bis Figuren und Welt zusammenwirken.
Für aymielogy funktioniert die Atmosphäre sofort über Optik und Inszenierung.
Aincrad funktioniert auch ohne Anime-Vorwissen
whoesmoe97 bringt eine Perspektive mit, die bei einem Lizenzspiel besonders wertvoll ist.
Er hat Sword Art Online bislang nicht gesehen und konnte das Spiel deshalb nicht mit der Vorlage vergleichen. Sein erster Eindruck fiel trotzdem positiv aus. Die Welt wirkte auf ihn stimmig, und gerade zu Beginn machte ihm das Erkunden Lust, weiterzuspielen.
Echoes of Aincrad scheint damit nicht vollständig von Nostalgie abhängig zu sein.
Fans erkennen bekannte Figuren, Motive und Zusammenhänge. Neueinsteiger erleben zunächst ein farbenfrohes Fantasy-RPG mit einer klaren Ausgangslage und einem zugänglichen Kampfsystem.
Auch aymielogy sieht darin eine Stärke. Durch die intuitive Steuerung könnten selbst Spieler ohne große Action-RPG-Erfahrung vergleichsweise einfach einsteigen, ohne direkt von komplizierten Mechaniken überfordert zu werden. Für sie richtet sich das Spiel damit nicht nur an SAO-Fans, sondern auch an Anime-Fans und Genre-Neulinge.
Die eigene Reise steht vor der Geschichte von Kirito
Heljiin hebt besonders hervor, dass Echoes of Aincrad nicht erneut Kirito zur alleinigen Hauptfigur macht.
Kirito und Asuna bleiben zunächst stärker im Hintergrund. Stattdessen erlebt man eine eigene Geschichte, begegnet neuen Figuren und bewegt sich parallel zu bekannten Ereignissen aus dem Anime.
Gerade für Fans sei das eine der spannendsten Entscheidungen des Spiels. Viele Zuschauer hätten sich vermutlich schon einmal gefragt, wie sie selbst in Aincrad gehandelt hätten. Echoes of Aincrad greift genau diese Vorstellung auf.
Auch für uns gehört diese Perspektive zu den stärksten Ideen des Spiels.
Wir spielen nicht einfach eine bekannte Handlung nach. Wir befinden uns zur gleichen Zeit in derselben Welt und erleben den Konflikt aus einem anderen Blickwinkel.
Allerdings bleibt der selbst erstellte Hauptcharakter vergleichsweise ruhig. Heljiin sieht darin gleichzeitig einen Vorteil für die Begleiter. Figuren wie Iori oder Argo erhalten dadurch mehr Raum und können schneller eine emotionale Bindung aufbauen.
Die eigene Figur wirkt damit weniger wie der große Mittelpunkt und stärker wie der Zugang zu einer neuen Gruppe innerhalb von Aincrad.
Das kann funktionieren, lässt aber auch die Frage offen, wie viel Persönlichkeit ein selbst erstellter Protagonist besitzen sollte.
Das Kampfsystem macht allen drei grundsätzlich Spaß
Beim eigentlichen Gameplay liegen die Eindrücke nah beieinander.
whoesmoe97 beschreibt die Kämpfe als flüssig und unterhaltsam. Der Einstieg motivierte ihn, und die Steuerung bereitete keine größeren Probleme. Mit zunehmender Spielzeit bemerkte er jedoch, dass sich Aufgaben und Abläufe häufiger wiederholen.
Auch aymielogy empfand die Steuerung als einfach und sehr flüssig. Dadurch entstehe ein angenehmer Spielfluss, der besonders Einsteigern entgegenkomme. Auf normaler Schwierigkeit seien die Kämpfe für sie allerdings deutlich zu leicht. Zusätzlich entstand auch bei ihr früh das Gefühl, bestimmte Inhalte mehrfach zu erleben.
Heljiin nahm das Kampfsystem zunächst komplexer wahr. Wer Tutorials überspringt, könne später merken, dass wichtige Grundlagen fehlen. Besonders positiv bewertet sie das Teamkampfsystem und die Möglichkeit, das Verhalten der Begleiter anzupassen.
Damit ergibt sich ein klares Bild:
Das Kampfsystem funktioniert.
Die Steuerung ist zugänglich.
Teammechaniken bieten zusätzliche Möglichkeiten.
Die normale Schwierigkeit fordert jedoch nicht jeden ausreichend.
Der Permadeath-Modus verändert die Bedeutung eines Kampfes
Heljiins persönliches Highlight ist der ursprüngliche Sword-Art-Online-Modus.
Stirbt die eigene Figur, beginnt die Reise vollständig von vorne. Dadurch erhält jeder Kampf mehr Gewicht. Fehler wirken nicht wie ein kurzer Rückschlag, sondern wie eine echte Gefahr für den gesamten Fortschritt.
Dieser Modus passt besonders gut zur ursprünglichen Idee von Sword Art Online.
In der Vorlage ist jeder Tod endgültig. Genau diese Bedrohung geht auf einem normalen Schwierigkeitsgrad teilweise verloren. Der Permadeath-Modus kann deshalb dafür sorgen, dass Kämpfe bewusster geführt und Entscheidungen vorsichtiger getroffen werden.
Gleichzeitig richtet sich diese Einstellung klar an Spieler, die ein deutlich härteres und kompromissloseres Erlebnis suchen.
Für den regulären Einstieg bleibt Echoes of Aincrad dagegen vergleichsweise zugänglich.
Fortschritt motiviert, aber nicht unbegrenzt
Alle drei Creator sehen das Progressionssystem grundsätzlich positiv.
Heljiin gefällt besonders die Möglichkeit, den eigenen Charakter zu gestalten. Auch das Levelsystem und das Sammeln neuer Ausrüstung motivieren sie. Gleichzeitig profitiert das Spiel für sie stark von der Entwicklung der Begleiter.
whoesmoe97 hatte ebenfalls Spaß daran, neue Level, Ausrüstung und Fähigkeiten freizuschalten. Auf längere Sicht fehlte ihm jedoch mehr Variation, damit der Fortschritt nicht nur über Zahlen und neue Gegenstände getragen wird.
aymielogy empfand es ebenfalls als motivierend, den eigenen Charakter wachsen zu sehen und neue Skills freizuschalten. Für sie bleibt die Entwicklung der Spielfigur damit ein klarer Antrieb, auch wenn die Aufgabenstruktur mehr Abwechslung vertragen könnte.
Fortschritt allein reicht also nicht aus.
Neue Ausrüstung und Fähigkeiten können motivieren. Wenn sich der Weg dorthin zu häufig wiederholt, verliert auch ein funktionierendes Progressionssystem an Wirkung.
Wiederholungen werden zum gemeinsamen Kritikpunkt
Der deutlichste gemeinsame Kritikpunkt ist die fehlende Abwechslung.
whoesmoe97 hatte bereits nach einigen Stunden das Gefühl, dass sich Inhalte wiederholen. Deshalb sei Echoes of Aincrad für ihn eher ein Spiel für kürzere Sessions und weniger ein Titel, den er über viele Stunden am Stück spielen würde.
aymielogy nennt ebenfalls wiederkehrende Abläufe und ein ausbaufähiges Pacing. Für eine deutlich stärkere Gesamtwertung brauche das Spiel mehr Varianz und einen besseren Rhythmus zwischen Erkundung, Kämpfen und Geschichte.
Auch Heljiin sieht Verbesserungspotenzial bei den langen Wegen und beim Einstieg. Das Tutorial vermittle viele Mechaniken auf einmal, während bestimmte Zusammenhänge trotzdem nicht sofort klar würden.
Damit decken sich die Creator-Stimmen mit einem zentralen Punkt unserer eigenen Review.
Aincrad weckt zunächst Neugier.
Die farbenfrohe Welt lädt zum Erkunden ein. Auf längere Sicht benötigt diese Reise aber mehr überraschende Situationen, abwechslungsreichere Aufgaben und einen stärkeren Wechsel zwischen ruhigen und intensiven Momenten.
Die Gefahr von Aincrad könnte stärker spürbar sein
aymielogy beschreibt die Welt als farbenfrohe, epische und fantastische Reise. Das Abenteuergefühl funktioniere für sie sehr gut. Das Gefühl echter Gefahr bleibe dagegen etwas schwächer, als es die Ausgangslage von Sword Art Online eigentlich erwarten lässt.
Diese Beobachtung ist wichtig.
Aincrad ist keine gewöhnliche Fantasy-Welt. Jeder Spieler ist dort gefangen, und jeder Fehler könnte tödlich sein. Wenn das Spiel diese Bedrohung nur selten spürbar macht, verliert die Prämisse einen Teil ihrer Wirkung.
Der Permadeath-Modus kann diese Spannung künstlich erhöhen. Die Welt, die Geschichte und die Gegner müssten dieses Gefühl aber auch unabhängig von einer optionalen Einstellung stärker vermitteln.
Echoes of Aincrad sieht oft nach einem großen Abenteuer aus.
Es fühlt sich jedoch nicht immer wie ein Überlebenskampf an.
Ein Koop-Modus bleibt der größte Wunsch
Heljiin sieht den fehlenden Online-Modus als eine der größten verpassten Möglichkeiten.
Gemeinsame Lobbys, Koop-Quests und das Erkunden von Aincrad mit anderen Spielern würden das Erlebnis für sie deutlich verbessern.
Dieser Wunsch liegt bei Sword Art Online besonders nahe.
Die gesamte Vorlage handelt von einer virtuellen Welt voller Spieler, Gruppen und Gilden. Menschen lernen sich kennen, schließen sich zusammen und kämpfen gemeinsam ums Überleben.
Echoes of Aincrad erzählt diese soziale Struktur, bleibt spielerisch aber auf eine Einzelspieler-Erfahrung konzentriert.
Ein Koop-Modus hätte das Spiel nicht automatisch besser gemacht. Er hätte aber besser zu der Fantasie gepasst, die Sword Art Online ursprünglich ausgelöst hat.
Gemeinsam Quests annehmen.
Als Gruppe durch Aincrad ziehen.
Bosskämpfe mit Freunden bestreiten.
Ausrüstung vergleichen und Rollen verteilen.
Für viele Fans wäre genau das wahrscheinlich der konsequenteste nächste Schritt.
Die Communities reagieren besonders auf die Optik
Die ersten Reaktionen aus den Communities fielen überwiegend positiv aus.
Bei Heljiin wurden vor allem Grafik und Atmosphäre hervorgehoben. Einige SAO-Fans wussten zuvor nicht einmal, dass ein neues Spiel erschienen war, zeigten nach dem gezeigten Material aber Interesse. Kritik gab es hauptsächlich am Preis.
whoesmoe97 veröffentlichte ein Video zum Spiel und erhielt ebenfalls überwiegend positive Reaktionen.
aymielogy testete das Spiel zunächst bewusst allein, um sich ohne Ablenkung eine eigene Meinung zu bilden. Das gezeigte Bildmaterial in ihrer Community wurde ebenfalls positiv aufgenommen. Besonders der bunte und epische Look kam gut an.
Die visuelle Wirkung funktioniert damit sehr schnell.
Echoes of Aincrad sieht auf den ersten Blick genau nach dem aus, was viele von einem modernen Anime-RPG erwarten.
Die größere Herausforderung beginnt erst danach:
Kann das Gameplay diese Aufmerksamkeit langfristig halten?

Für wen funktioniert Echoes of Aincrad?
Heljiin empfiehlt das Spiel besonders Fans von Sword Art Online, sieht aber auch Potenzial für Anime-, Fantasy-Fans und Neueinsteiger. Bei ihr weckte der Titel eine ähnliche Begeisterung wie damals der Anime.
whoesmoe97 sieht die Zielgruppe vor allem bei Fans von Anime-Games und Sword Art Online. Obwohl ihm langfristig mehr Abwechslung fehlt, würde er das Spiel grundsätzlich weiterempfehlen.
aymielogy richtet ihre Empfehlung ebenfalls an SAO- und Anime-Fans. Gleichzeitig betont sie, dass sich Fans vom direkten Vergleich mit dem Anime lösen sollten. Dank der flüssigen und intuitiven Steuerung könnten auch Action-RPG-Neulinge problemlos einsteigen.
Damit lässt sich die Zielgruppe recht klar einordnen.
Echoes of Aincrad funktioniert am besten für Spieler, die:
die Optik und Atmosphäre von Anime-RPGs mögen,
Aincrad aus einer eigenen Perspektive erleben möchten,
zugängliche Action bevorzugen,
und sich nicht daran stören, wenn sich Aufgaben und Abläufe wiederholen.
Drei Perspektiven, ein ähnliches Gesamtbild
Heljiin, whoesmoe97 und aymielogy setzen unterschiedliche Schwerpunkte, kommen aber an mehreren Stellen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Die Stärken:
Aincrad besitzt eine starke visuelle Identität.
Das Kampfsystem spielt sich flüssig und zugänglich.
Charakterentwicklung und Ausrüstung motivieren.
Die eigene Perspektive abseits von Kirito funktioniert.
Das Spiel kann auch Neueinsteiger ansprechen.
Die Schwächen:
Aufgaben und Abläufe wiederholen sich zu früh.
Die normale Schwierigkeit bietet teilweise zu wenig Widerstand.
Das Pacing könnte straffer sein.
Die Wege ziehen sich stellenweise.
Das Gefühl echter Gefahr bleibt hinter der Prämisse zurück.
Ein Koop-Modus fehlt spürbar.
Damit bestätigt sich auch nach den Interviews unser eigener Eindruck:
Sword Art Online: Echoes of Aincrad funktioniert vor allem über seine Welt, seine Optik und das Gefühl, selbst Teil von Aincrad zu sein. Spielerisch fehlt jedoch noch die Abwechslung, die aus einem guten Einstieg ein langfristig starkes Action-RPG machen würde.
Das Spiel hat die richtige Welt.
Es hat eine spannende Perspektive.
Und es besitzt ein Kampfsystem, das schnell zugänglich ist.
Jetzt müsste diese Reise nur noch konsequenter, abwechslungsreicher und lebendiger werden.
aymielogy, heljiin & whosmoe97









