Nachdem wir Zenkai DE über Wochen sehr intensiv verfolgt haben, nehmen wir inzwischen bewusst etwas Abstand. Gerade dadurch fällt uns aber ein Punkt immer stärker auf.
Das RP funktioniert.
Wir sehen Spieler, die ihren Charakteren über längere Zeit Persönlichkeit und Geschichte geben. Wir sehen Teamler, die persönliche Side Events vorbereiten, größere Main Events inszenieren und Spielern Rollen innerhalb der Welt geben. Nicht jeder muss dieselbe Geschichte erleben und nicht jeder Charakter steht ständig im Mittelpunkt.
Genau das schätzen wir inzwischen besonders an Zenkai.
Die großen Geschichten funktionieren bereits. Was Konoha jetzt noch glaubwürdiger machen könnte, sind die Menschen, die gar keine große Geschichte erzählen wollen und dadurch ständig neue Geschichten entstehen lassen.

Uns fehlen nicht mehr Geschichten, sondern mehr Alltag
Wenn gerade kein großes Event läuft, beginnt für uns inzwischen die spannendere Frage:
Wer lebt eigentlich in diesem Dorf?
Natürlich sehen wir Shinobi, Clanmitglieder, Senseis und junge Ninja auf ihrem Weg. Doch Konoha müsste eigentlich auch voller Menschen sein, deren Leben sich nicht um das nächste Jutsu oder den nächsten Rang dreht.
Menschen, die arbeiten.
Menschen, die Geschäfte besitzen.
Menschen, die Gerüchte verbreiten.
Menschen, die Geld haben.
Menschen, die Hilfe brauchen.
Und Menschen, die von den Shinobi regelmäßig genervt sind.
Gerade solche Figuren könnten dem Server eine Ebene geben, die zwischen großen Events und Missionen bisher noch vergleichsweise wenig sichtbar ist.

Eine Bar könnte mehr sein als nur ein Gebäude
Stellen wir uns einen normalen Abend in Konoha vor.
Ein paar Shinobi kommen von einer Mission zurück und landen in derselben Bar. Der Besitzer kennt einige von ihnen inzwischen beim Namen. Er weiß, wer nach zwei Getränken zu viel erzählt, wer regelmäßig Streit anfängt und wer immer in derselben Ecke sitzt.
Vielleicht hört er Gespräche, die eigentlich nicht für ihn bestimmt waren.
Vielleicht erzählt er etwas weiter.
Vielleicht wird aus einem beiläufigen Gerücht später eine wichtige Information.
Und vielleicht passiert gar nichts Großes.
Die Bar wird einfach zu dem Ort, an dem Charaktere nach ihren Missionen zusammenkommen und der Abend ausklingt.
Genau solche Orte schaffen Beziehungen, ohne dass dafür ein Event vorbereitet werden muss.

Ein Badehaus könnte selbst zum Running Gag werden
Dasselbe gilt für ein Badehaus.
Seine Betreiber müssten keine geheimnisvollen Questgeber sein. Vielleicht wollen sie einfach nur ihr Geschäft führen und sind inzwischen komplett genervt davon, dass ausgerechnet die Shinobi ständig laut sind, streiten oder nach ihren Missionen das halbe Haus verwüsten.
Irgendwann kennt man bestimmte Charaktere schon an der Tür.
Vielleicht bekommt jemand Hausverbot.
Vielleicht beschwert sich der Besitzer regelmäßig bei einem Sensei.
Vielleicht entwickelt sich daraus über Wochen ein Running Gag.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit.
Aber genau solche wiederkehrenden Beziehungen sorgen dafür, dass ein Ort irgendwann nicht mehr nur Kulisse ist.
Er bekommt Persönlichkeit.

Ein Teehaus könnte zur Informationsbörse werden
Ein Teehaus könnte dagegen eine vollkommen andere Funktion innerhalb Konohas übernehmen.
Dort sitzen Reisende.
Händler.
Dorfbewohner.
Vielleicht auch Shinobi, die eigentlich nur ihre Ruhe haben wollen.
Der Besitzer hört Gespräche, kennt Gerüchte aus verschiedenen Teilen des Dorfes und bekommt mit, welche Fremden gerade angekommen sind.
Wer sein Vertrauen besitzt, erhält vielleicht Informationen kostenlos.
Wer nur bezahlt, bekommt sie gegen Geld.
Und wer ihm einmal geschadet hat, bekommt möglicherweise bewusst die falsche Information.
Plötzlich entsteht aus einem normalen zivilen Charakter ein informelles Nachrichtennetzwerk.
Nicht weil das Spiel eine neue Mechanik benötigt.
Sondern weil ein Spieler eine Rolle konsequent ausspielt.

Wohlstand könnte ebenfalls Geschichten erzeugen
Auch reichere Bewohner könnten Konoha gesellschaftlich interessanter machen.
Warum sollte es keine Familien geben, die durch Handel, Grundstücke oder Unternehmen wirtschaftlichen Einfluss besitzen?
Solche Figuren könnten bestimmte Privilegien genießen und gleichzeitig Erwartungen an das Dorf stellen.
Eine wichtige Familie muss reisen und erhält deshalb Shinobi als Bodyguards.
Plötzlich besteht eine Mission nicht darin, einen anonymen NPC von A nach B zu bringen.
Die Ninja müssen einen echten Charakter beschützen.
Vielleicht ist dieser Mensch arrogant.
Vielleicht behandelt er die Shinobi wie Angestellte.
Vielleicht ist er vollkommen sympathisch und wird gerade deshalb wichtig für das Team.
Oder hinter seinem wirtschaftlichen Einfluss stecken Interessen, die später politisch problematisch werden.
Damit bekämen nicht nur zivile Spieler mehr Bedeutung.
Auch Shinobi würden plötzlich eine andere Form von Verantwortung übernehmen.

Die Shinobi brauchen Menschen, für die sie Shinobi sein können
Genau darin liegt für uns das große Potenzial.
Ein Shinobi Dorf funktioniert langfristig nicht nur durch andere Shinobi.
Es braucht Menschen, die geschützt werden.
Menschen, die Aufträge vergeben.
Menschen, die wirtschaftlichen Einfluss besitzen.
Menschen, die Informationen haben.
Menschen, die überhaupt nichts mit den politischen Konflikten der großen Clans zu tun haben wollen.
Denn erst dadurch bekommt der Beruf eines Ninja auch im Alltag Bedeutung.
Die Shinobi brauchen nicht ständig einen neuen Gegner. Sie brauchen eine Gesellschaft, für die es sich lohnt, Shinobi zu sein.
Genau darin liegt letztlich auch der Sinn des gesamten Shinobi Systems. Sie schützen nicht einfach ein abstraktes Dorf, sondern die Menschen, die darin leben, arbeiten, handeln und Familien gründen. Je stärker diese Gesellschaft innerhalb des RPs sichtbar wird, desto mehr Bedeutung bekommen automatisch auch Missionen, Ränge und die Verantwortung eines Shinobi. Frieden bedeutet dann nicht nur, dass gerade kein Krieg herrscht, sondern dass diese Menschen ihren Alltag leben können, weil andere diesen Frieden schützen.

Wo ist die Generation, die den Krieg überlebt hat?
Ein weiterer Punkt beschäftigt uns inzwischen besonders.
Wir sehen viele junge Shinobi auf ihrem Weg.
Aber wo sind die Menschen, die den letzten großen Krieg selbst erlebt haben?
Eine Welt mit Vergangenheit müsste diese Vergangenheit auch in ihren Bewohnern zeigen.
Vielleicht gibt es einen ehemaligen Shinobi, der schwer verletzt wurde und heute überhaupt nicht mehr kämpfen kann.
Vielleicht arbeitet er inzwischen als Berater.
Vielleicht sitzt ein anderer Veteran jeden Abend in derselben Bar und erzählt Kriegsgeschichten, bei denen niemand genau weiß, welche davon wahr sind.
Ein anderer könnte nach seinen Erlebnissen vollkommen paranoid geworden sein.
Oder verbittert.
Vielleicht gibt es jemanden, der nach dem Krieg bewusst seinen Ninja Weg beendet hat und heute ein völlig gewöhnliches Geschäft führt.
Solche Charaktere müssten keine großen Rollen einnehmen.
Ihre Existenz allein würde zeigen:
Diese Welt hatte eine Vergangenheit und Menschen haben sie überlebt.
Gerade für junge Shinobi könnten solche Figuren enorm wertvoll sein.
Nicht weil sie ihnen die nächste Technik beibringen.
Sondern weil sie ihnen erzählen können, was es bedeutet, wenn aus Training irgendwann ein echter Krieg wird.
Nicht jede Rolle muss dauerhaft von einem Spieler besetzt werden
Auch hier sehen wir Möglichkeiten für die Teamler.
Zenkai zeigt bereits, dass persönliche Side Events funktionieren können. Warum dieses Prinzip nicht gelegentlich auch für den Alltag nutzen?
Ein reisender Händler taucht nur für einen Abend auf.
Eine ältere Bewohnerin benötigt Hilfe und schenkt einem Genin danach einen ungewöhnlichen Gegenstand.
Ein zwielichtiger Verkäufer bietet seltene Ware an.
Ein Veteran erscheint plötzlich im Dorf.
Oder ein Fremder bringt ein Gerücht mit, dessen Bedeutung erst Wochen später klar wird.
Solche NPCs oder temporären Teamcharaktere müssten nicht jedes Mal eine große Geschichte auslösen.
Manchmal reicht es vollkommen, wenn sie die Welt ein kleines Stück größer wirken lassen.
Genau dadurch könnten auch Missionen natürlicher entstehen
Je mehr Menschen tatsächlich innerhalb dieser Welt leben, desto weniger müssen Missionen künstlich wirken.
Ein Händler braucht Schutz.
Ein Handwerker benötigt Material.
Eine Familie vermisst jemanden.
Ein Barbesitzer hat etwas gehört.
Ein wohlhabender Bewohner verlangt Begleitschutz.
Ein Veteran benötigt Unterstützung bei einer Angelegenheit, über die er zunächst nicht sprechen möchte.
Plötzlich entsteht die Aufgabe aus einem Charakter und nicht nur aus einem Missionsmenü.
Und genau das gibt Spielern automatisch mehr Möglichkeiten für RP.
Ein einfacher Auftrag kann dadurch Freundschaften vertiefen, Konflikte erzeugen oder eine Figur vor eine Entscheidung stellen, mit der vorher niemand gerechnet hat.
Vielleicht sollte Zenkai solche Rollen bewusst ausschreiben
Gerade deshalb könnten wir uns vorstellen, dass Zenkai bestimmte Rollen gezielt ausschreibt.
Nicht nur Clans oder prestigeträchtige Ninja Positionen.
Sondern Rollen, die der Gesellschaft selbst fehlen.
Ein Barbesitzer.
Eine Händlerfamilie.
Ein Badehausbetreiber.
Ein Teehausbesitzer.
Ein Kriegsveteran.
Ein Arzt.
Ein Handwerker.
Ein Informant.
Ein politischer Berater.
Spieler könnten sich mit einer Idee für diese Figur bewerben und bereits erklären, welchen Platz sie innerhalb Konohas einnehmen möchten.
Das hätte einen weiteren Vorteil:
Neue Spieler müssten nicht automatisch mit dem Gedanken starten, der nächste besonders starke Shinobi zu werden.
Man könnte auf Zenkai wichtig sein, ohne jemals ANBU, Clanoberhaupt oder außergewöhnlicher Kämpfer zu werden.
Vielleicht wird jemand wichtig, weil jeder im Dorf irgendwann bei ihm vorbeikommt.
Und genau solche Figuren könnten für ein RP Universum langfristig genauso wertvoll sein wie der nächste außergewöhnliche Ninja.
Wir sehen, was Zenkai bereits kann
Unsere Beobachtung entsteht dabei ausdrücklich nicht aus dem Eindruck, dass auf Zenkai zu wenig passiert.
Eigentlich ist es genau andersherum.
Wir haben gutes RP erlebt.
Wir haben Character Development gesehen.
Wir haben persönliche Side Events verfolgt und größere Main Events erlebt.
Wir sehen, wie Teamler Spielern Rollen geben und wie diese Spieler anschließend ihre eigenen Geschichten daraus entwickeln.
Genau deshalb denken wir inzwischen stärker über die Ebene dazwischen nach.
Nicht über den nächsten großen Gegner.
Nicht über das nächste spektakuläre Event.
Sondern darüber, was passiert, wenn gerade überhaupt nichts Großes passiert.
Fühlt sich Konoha dann trotzdem wie ein Dorf an?
Für uns liegt genau dort momentan eines der spannendsten Entwicklungspotenziale des Servers.
Mehr gewöhnliche Bewohner würden die großen Geschichten nicht ersetzen.
Sie würden ihnen einen Ort geben, an dem sie stattfinden können.
Und vielleicht entsteht die nächste Geschichte, bei der wir wieder länger in einem Stream hängen bleiben als geplant, gar nicht durch einen Angriff auf Konoha.
Vielleicht beginnt sie einfach damit, dass ein Shinobi nach einer Mission eine Bar betritt und der Besitzer sagt:
„Du wirst nicht glauben, was ich heute gehört habe.“