EA Sports FC 27 ist da und auch dieses Jahr stellt sich wieder dieselbe Frage: Wie viel verändert sich wirklich, wenn EA die nächste Saison einläutet?
Wir spielen seit dem 18. September die Ultimate Plus Edition, die uns von Electronic Arts für unsere Berichterstattung zur Verfügung gestellt wurde. Nach den ersten Tagen zeigt sich dabei vor allem eines: FC 27 versucht nicht, alles neu zu machen. Stattdessen verändert EA mehrere Bereiche, die während des Spielens tatsächlich auffallen.
Und genau dort beginnt für uns der eigentliche Test.
FC 27 möchte wieder stärker von uns gespielt werden
Der größte Unterschied zu FC 26 steckt nicht in irgendeinem Menü. Er steckt auf dem Platz.
Vor allem die Defensive verlangt mehr Aufmerksamkeit.
Die KI greift weniger selbstverständlich ein und löst Situationen nicht mehr ganz so häufig automatisch. Wer einen Innenverteidiger übernimmt, einen Passweg öffnet oder beim Spielerwechsel zu spät reagiert, merkt das schneller.
Das führt zunächst auch zu Fehlern.
Gleichzeitig fühlen sich gute Defensivaktionen dadurch befriedigender an. Wenn wir einen Angriff lesen, den richtigen Spieler übernehmen und tatsächlich den Ball gewinnen, entsteht häufiger das Gefühl, die Situation selbst gelöst zu haben.
Genau diese Verantwortung hat FC in den vergangenen Jahren teilweise verloren.
FC 27 gibt dem Spieler davon zumindest wieder etwas zurück.
Angriffsspiel fühlt sich nachvollziehbarer an
Auch offensiv greifen mehrere kleinere Veränderungen ineinander.
Mitspieler bewegen sich intelligenter in freie Räume und passen ihre Laufwege häufiger an. Besonders bei schnellen Angriffen fällt auf, dass Spieler nicht einfach nur gerade Richtung Tor sprinten, sondern Räume bewusster nutzen.
Dazu kommt das veränderte Passspiel.
Steilpässe werden weniger großzügig korrigiert. Wer schlecht zielt oder einen Ball erzwingen möchte, bekommt häufiger genau das zurück: einen schlechten Pass.
Das klingt nach einer kleinen Änderung, verändert aber viel.
Gute Laufwege bringen wenig, wenn jeder Pass automatisch beim richtigen Spieler landet. Erst wenn Bewegung und Passing miteinander funktionieren, entsteht tatsächlich mehr Kontrolle.
Und genau das gelingt FC 27 aktuell besser.
Dribbling und Ballgefühl passen gut zusammen
Auch das Dribbling profitiert davon, dass nicht jede Situation sofort in einer festen Animation endet.
Technisch starke Spieler können nach Körperkontakt versuchen, weiter am Ball zu bleiben. Gerade in engen Situationen wirkt das natürlicher als ein sofortiger vollständiger Kontrollverlust.
Generell fühlt sich das Gameplay bislang angenehm an.
Das Spiel reagiert direkt genug, ohne dass jede Partie nur aus maximalem Tempo besteht. Unterschiedliche Spielertypen lassen sich besser voneinander unterscheiden und gerade im Zusammenspiel aus Passing, Laufwegen und Dribbling entsteht ein rundes Spielgefühl.
Natürlich bleibt FC trotzdem FC.
Bälle können nach eigentlich gewonnenen Zweikämpfen wieder beim Gegner landen, Torhüter reagieren nicht immer nachvollziehbar und einzelne Animationen erzeugen weiterhin Situationen, die eher nach FC als nach echtem Fußball aussehen.
Diese Momente sind also nicht verschwunden.
Sie bestimmen aktuell aber auch nicht jede Partie.
Der Charakter Editor überrascht positiv
Bevor es überhaupt auf den Platz geht, macht FC 27 etwas überraschend gut: den eigenen Spieler erstellen.
Der Charakter Editor ist übersichtlich aufgebaut und bietet genug Möglichkeiten, ohne den Prozess unnötig kompliziert zu machen.
Vor allem aber macht es Spaß, den eigenen Pro zusammenzustellen.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist gerade für The Grounds, Clubs und die Profikarriere aber wichtig. Wenn dieser Charakter anschließend in mehreren Bereichen des Spiels auftaucht, entsteht automatisch eine stärkere Verbindung zu ihm.
Und genau davon profitieren die neuen Systeme.
The Grounds funktioniert besser, als wir zunächst erwartet haben
Die größte offensichtliche Neuerung ist The Grounds.
EA baut damit einen offenen Social Bereich, in dem sich Spieler mit ihrem eigenen Pro bewegen, andere Spieler treffen und unterschiedliche Aktivitäten starten können.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach einem Social Hub, wie man ihn inzwischen aus mehreren Sportspielen kennt.
Beim tatsächlichen Spielen hat uns The Grounds bislang aber positiv überrascht.
Die Stadt ist groß genug, dass es etwas zu entdecken gibt, gleichzeitig aber kompakt genug, dass man nicht minutenlang von einem Punkt zum nächsten laufen muss.
Das ist wichtiger, als es zunächst klingt.
Eine riesige Open World hätte einem Fußballspiel vermutlich wenig gebracht. Stattdessen wirkt The Grounds eher wie ein überschaubarer Treffpunkt, durch den man gerne einmal läuft, ohne dass das Erkunden zur Pflichtaufgabe wird.
Als kleiner Zeitvertreib zwischen den eigentlichen Partien funktioniert das angenehm.
Die Spielvarianten geben The Grounds seinen eigentlichen Zweck
Entscheidend ist aber nicht die Stadt selbst.
Es sind die Aktivitäten darin.
Unterschiedliche Spielvarianten und Events sorgen bislang für genügend Abwechslung. Gerade weil nicht jede Partie nach denselben Regeln funktioniert, bekommt The Grounds etwas Lockeres.
Man kann kompetitiver spielen, kleinere Matches starten oder einfach ausprobieren, welche Aktivitäten gerade verfügbar sind.
Dadurch funktioniert der Bereich aktuell besser als ein bloßes Menü mit einem begehbaren Hintergrund.
The Grounds verbindet den eigenen Charakter, unterschiedliche Fußballvarianten und Clubs miteinander.
Ob das nach Monaten noch genauso interessant bleibt, können wir noch nicht beurteilen. Für die ersten Tage funktioniert der Ansatz aber deutlich besser, als wir ursprünglich erwartet hatten.
Der eigene Pro bekommt endlich einen Platz im Spiel
Dazu passt auch die überarbeitete Charakterentwicklung.
Archetypen können flexibler gewechselt werden und unterschiedliche Builds lassen sich leichter ausprobieren.
Meisterungen sorgen zusätzlich dafür, dass verschiedene Spielweisen einen langfristigen Zweck bekommen können.
Dadurch fühlt sich der eigene Pro weniger wie eine Figur an, die nur für einen einzelnen Modus erstellt wurde.
Er wird stärker zu einem Charakter, der uns durch mehrere Bereiche von FC 27 begleitet.
Weniger eindeutig bleiben die neuen AMPs.
Diese zeitlich begrenzten Verstärkungen können Attribute und andere Eigenschaften beeinflussen. Einige lassen sich erspielen, andere können über Shops verfügbar sein.
Zum Start verzichtet EA darauf, über AMPs PlayStyle+ zu vergeben.
Trotzdem bleibt dieser Bereich einer, den wir weiter beobachten werden. Sobald spielerische Vorteile und Monetarisierung aufeinandertreffen, entscheidet am Ende nicht die Idee, sondern wie stark EA das System später ausbaut.
Die Profikarriere hat uns bisher mehr abgeholt als erwartet
Unsere eigene Karriere haben wir mit „Weg an die Spitze“ begonnen und sind mit Werder Bremen in der Bundesliga gestartet.
Und gerade hier zeigt FC 27 etwas, das sich schlecht über eine reine Featureliste vermitteln lässt.
Es sind die kleinen Dinge.
Der Charakter wird nicht einfach erstellt und anschließend von Spiel zu Spiel geschickt. Nachrichten tauchen auf, man reagiert auf Situationen und kann Antworten in den Social Media Elementen auswählen.
Keine dieser Mechaniken verändert allein die komplette Karriere.
Zusammen sorgen sie aber dafür, dass etwas mehr Leben entsteht.
Man begleitet einen Spieler, anstatt lediglich seine Statistiken hochzuspielen.
Gerade der Einstieg macht deshalb bislang Spaß. Vom Erstellen des Charakters bis zu den ersten Spielen entsteht zumindest das Gefühl, den Beginn einer Karriere tatsächlich mitzuerleben.
Rivalitäten sind kein riesiges Feature, aber sie funktionieren
Auch die neuen Rivalitäten gehören für uns in diese Kategorie.
Sie revolutionieren die Profikarriere nicht.
Als kleines Gimmick funktionieren sie aber gut.
Ein anderer Spieler wird plötzlich zu jemandem, auf dessen Leistungen man stärker achtet. Bestimmte Ziele bekommen dadurch etwas mehr Kontext und die Karriere gewinnt eine zusätzliche kleine Geschichte.
Genau so sollte man das System unserer Meinung nach auch betrachten.
Nicht als großen neuen Storymodus, sondern als zusätzliche Ebene, die den normalen Karrierealltag etwas interessanter macht.
Bislang gefällt uns das.
Die Managerkarriere bekommt ebenfalls mehr Tiefe
Auch die klassische Managerkarriere wurde an mehreren Stellen erweitert.
Transfers reagieren stärker darauf, welcher Verein mit welchem Spieler verhandelt. Liga, Gehalt, Wettbewerb, Status des Clubs, Vertragslaufzeit und Rivalitäten beeinflussen Entscheidungen.
Dadurch wirkt der Transfermarkt etwas weniger wie eine Tabelle, in der lediglich der richtige Preis gefunden werden muss.
Dazu kommen zusätzliche Vertragsmöglichkeiten wie Ratenzahlungen, Boni und Rückkaufoptionen.
Besonders interessant ist der dynamische Gesamtwert.
Form, Moral, Fitness, Verletzungen und Einsatzzeiten können beeinflussen, wie stark ein Spieler aktuell wahrgenommen wird.
Genau solche Systeme machen eine Karriere für uns interessanter als eine zusätzliche Zwischensequenz.
Denn sie greifen direkt in das ein, was wir Woche für Woche mit unserer Mannschaft machen.
Ultimate Team wird angenehmer, bleibt aber Ultimate Team
Bei Ultimate Team ist die Richtung ziemlich eindeutig.
EA verbessert mehrere Dinge, ohne den Kern neu aufzubauen.
Die neue FUT Gallery speichert Karten als Sammlung und gibt dem Modus dadurch stärker den Charakter eines digitalen Sammelalbums.
SBCs können teilweise einfacher abgeschlossen werden und Evolutions bieten mehr unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Auch Solo Spieler bekommen zusätzliche Möglichkeiten.
Das macht Ultimate Team komfortabler.
Aber es ändert nichts daran, dass Packs, FC Points, Premium Inhalte und regelmäßige Kartenupdates weiterhin fest zum Modus gehören.
Wer Ultimate Team ohnehin gerne spielt, bekommt einige sinnvolle Verbesserungen.
Wer bisher mit der grundlegenden Struktur nichts anfangen konnte, wird durch eine Gallery oder vereinfachte SBCs vermutlich nicht plötzlich überzeugt.
Clubs bekommt mehr Umfeld, aber keinen Neustart
Clubs profitiert besonders von The Grounds und der flexibleren Entwicklung des eigenen Pros.
Neue Turniere und alternative Regeln bringen zusätzliche Abwechslung.
Der eigentliche Clubs Kern bleibt aber vertraut.
Das muss nicht negativ sein.
Gerade ein Modus mit einer festen Community benötigt nicht jedes Jahr einen kompletten Neustart.
FC 27 versucht deshalb eher, Clubs stärker in das restliche Spiel einzubinden.
Und genau dabei hilft The Grounds.
Grafik ist schön, aber sie entscheidet dieses Spiel nicht
Optisch sieht FC 27 weiterhin sehr gut aus.
Stadien, Präsentation, Animationen und die große Anzahl an Lizenzen sorgen für eine starke Fußballatmosphäre.
Mehr als 21.000 Spieler, über 800 Vereine und Nationalteams, mehr als 140 Stadien und über 35 Ligen zeigen erneut, wie groß das Lizenzpaket inzwischen ist.
Mit der Liga MX kehrt außerdem eine bekannte Liga zurück.
Trotzdem entscheidet das für uns nicht darüber, ob FC 27 funktioniert.
Ein Stadion kann noch so gut aussehen. Wenn sich ein Zweikampf schlecht anfühlt, der Ball nicht nachvollziehbar reagiert oder die Systeme nicht miteinander harmonieren, hilft uns die schönste Beleuchtung wenig.
Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung auf dem Platz für uns deutlich wichtiger.
Unser bisheriger Eindruck
EA Sports FC 27 ist kein kompletter Neustart.
Das muss es aber auch nicht zwingend sein.
Nach unseren bisherigen Stunden entsteht der Fortschritt weniger durch ein einzelnes riesiges Feature, sondern durch mehrere Bereiche, die besser miteinander arbeiten.
Die Defensive verlangt mehr Eigeninitiative. Passing, Laufwege und Dribbling ergeben ein angenehmes Spielgefühl. Der eigene Charakter bekommt durch The Grounds, Clubs und die Profikarriere mehr Bedeutung.
Besonders The Grounds hat uns bislang stärker überzeugt, als wir zunächst erwartet hatten. Die kompakte Stadt, unterschiedliche Spielvarianten und Events funktionieren gut als Ergänzung zum klassischen Fußball.
Auch die Profikarriere macht gerade durch ihre kleinen Details Spaß. Nachrichten, Social Media Interaktionen, Rivalitäten und der Weg mit dem eigenen Spieler sorgen dafür, dass zwischen den eigentlichen Partien etwas mehr passiert.
Genau diese Kleinigkeiten machen aktuell einen Unterschied.
Nicht alles ist deshalb plötzlich neu oder besser. Ultimate Team bleibt Ultimate Team, bekannte FC Momente existieren weiterhin und mehrere Systeme müssen erst über Wochen zeigen, wie gut sie langfristig funktionieren.
Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen macht FC 27 etwas richtig, das für uns wichtiger ist als ein neues Menü oder ein kleiner Grafiksprung:
Es macht aktuell Spaß, Fußball zu spielen.
Und am Ende sollte genau das der wichtigste Ausgangspunkt für jedes FC sein.