Manchmal braucht ein Spiel keine riesige Open World, keinen komplizierten Skilltree und keine Geschichte, die erst nach mehreren Stunden in Fahrt kommt.
Manchmal reicht es, einen Kollegen durch ein Fenster zu treten.
Stick It to the Stickman versteht dieses Prinzip ziemlich gut.
Der physikbasierte Roguelike Brawler von Free Lives und Devolver Digital macht aus dem Büroalltag eine vollkommen überzogene Karriereleiter. Wir wählen unseren Stickman, prügeln uns durch Kollegen und Vorgesetzte, bauen unser Unternehmen aus und arbeiten uns Stück für Stück nach oben.
Das klingt simpel.
Ist es auch.
Und genau deshalb funktioniert es.

Kämpfen, kombinieren, eskalieren
Das Kampfsystem ist bewusst unkompliziert gehalten.
Wir starten mit einem bestimmten Moveset, sammeln während eines Durchgangs neue Angriffe und verbessern vorhandene Fähigkeiten. Aus simplen Schlägen und Tritten entstehen so immer längere und absurdere Angriffsketten.
Genau hier liegt eine der größten Stärken des Spiels.
Wenn mehrere Attacken perfekt ineinandergreifen, ein Gegner in den nächsten geschleudert wird und die komplette Abfolge ohne Unterbrechung funktioniert, fühlt sich das erstaunlich befriedigend an.
Besonders dann, wenn am Ende noch ein Fenster im Weg steht.
Gegner fliegen durch Möbel, gegen Wände oder direkt aus dem Gebäude. Die Physik sorgt dabei immer wieder für Situationen, die wir nicht exakt planen können und gerade deshalb Spaß machen.
Stick It to the Stickman lebt nicht nur davon, Gegner zu besiegen.
Es lebt davon, wie wir sie besiegen.

Die Umgebung kämpft mit
Je weiter wir kommen, desto stärker wird auch die Umgebung Teil des Gameplays.
Räume sind nicht einfach nur Kulisse. Gegner können gegen Objekte geschleudert werden und bestimmte Erweiterungen verändern zusätzlich, wie wir einzelne Bereiche nutzen können.
Dadurch betrachten wir einen Raum irgendwann automatisch anders.
Wo steht der nächste Gegner?
Was befindet sich hinter ihm?
Und wie bekommen wir ihn möglichst unterhaltsam dorthin?
Wand, Möbelstück oder Fenster werden damit Teil unserer nächsten Kombination.
Vom Drückeberger bis zum Koffeinjunkie
Vor jedem neuen Durchgang wählen wir aus verschiedenen Charaktertypen.
Wir beginnen mit der Aushilfskraft und schalten nach und nach weitere Archetypen frei, die unterschiedliche Kampfstile und Startfähigkeiten mitbringen.
Schon die Beschreibungen zeigen, wie wenig ernst sich das Spiel nimmt.
Da gibt es beispielsweise den Weeb, der Karate kann und wie ein Ninja rennt, nicht schneller, aber immerhin cooler. Oder den Koffeinjunkie, dessen komplette Persönlichkeit relativ eindeutig um Kaffee gebaut wurde.
Besonders amüsiert hat uns aber der Drückeberger.
Schon im Auswahlmenü macht er seinem Namen alle Ehre. Sobald wir ihn auswählen wollen, wechselt er mehrfach seine Position und versucht damit wortwörtlich, sich vor der Arbeit zu drücken.
Es ist nur ein kleiner Gag.
Aber genau solche Details geben dem Spiel Persönlichkeit.
Selbst die Schwierigkeit ist Teil des Witzes
Bevor wir den Finanzturm betreten, dürfen wir unsere Gehaltsstufe wählen.
Dahinter steckt im Grunde die Schwierigkeitsauswahl.
Natürlich hätte Free Lives einfach „Leicht, Mittel, Schwer“ hinschreiben können.
Aber das wäre für Stick It to the Stickman offenbar viel zu normal gewesen.
Selbst die Schwierigkeit wird deshalb in die Unternehmenssatire eingebaut und passt damit perfekt zum restlichen Spiel.
Heute Angestellter, morgen Geschäftsführer
Der eigentliche Kreislauf des Finanzturms funktioniert überraschend gut.
Wir beginnen als blauer Stickman und kämpfen uns nach oben.
Erreichen wir die Spitze, können wir selbst den Posten des Geschäftsführers übernehmen.
Nehmen wir an, verändert sich unsere Rolle. Aus dem blauen Arbeitnehmer wird der rote Chef.
Beim nächsten Durchgang kommt ein neuer Stickman und versucht anschließend genau das mit uns zu machen, was wir zuvor mit unserem eigenen Vorgesetzten gemacht haben.
Dieser Rollenwechsel gibt den Runs einen kleinen erzählerischen Zusammenhang, ohne das Spiel unnötig kompliziert zu machen.
Selbst das Angebot zum Geschäftsführer können wir mehrfach ablehnen.
Irgendwann zeigt uns die Unternehmensführung allerdings ziemlich eindeutig, dass auch Verhandlungen ihre Grenzen haben.
Unser Freund entwickelt plötzlich eigene Karrierepläne
Eine der sympathischsten Ideen beginnt bereits ganz am Anfang.
Wir lernen einen Freund kennen, geben ihm einen Namen und werden kurze Zeit später dazu aufgefordert, ausgerechnet ihn zu entlassen.
Damit verschwindet er aber nicht einfach.
Er taucht immer wieder auf, kommentiert Situationen und gerät selbst in die Auseinandersetzungen.
Später eskaliert das Ganze endgültig.
Wir treffen ihn erneut auf dem Dach des Unternehmens, wo er den aktuellen Geschäftsführer kurzerhand vom Gebäude schießt und selbst den CEO Posten übernimmt.
Natürlich dauert es nicht lange, bis er sich anschließend gegen uns stellt.
Aus einer kleinen Nebenfigur wird so nach und nach ein eigener Running Gag, der die verschiedenen Durchgänge miteinander verbindet.
Das Unternehmen wächst weiter
Nach erfolgreichen Runs entwickeln wir nicht nur unseren Charakter weiter.
Auch das Unternehmen selbst wächst.
Wir können zusätzliche Bereiche hinzufügen, beispielsweise einen Keller oder eine Kaffeeküche. Diese Erweiterungen sind nicht nur optischer Natur, sondern beeinflussen auch unser Spiel.
Die Kaffeeküche kann beispielsweise unsere Lebensgeister wecken und den verursachten Schaden erhöhen.
Später schalten wir außerdem das Personalzentrum frei.
Bevor wir es allerdings tatsächlich nutzen dürfen, müssen wir zunächst Demonstranten von der Fläche vertreiben.
Erst danach können wir erneut expandieren.
Es passt perfekt zu diesem Spiel, dass selbst eine normale Unternehmenserweiterung erst einmal in eine vollkommen absurde Aufgabe verwandelt wird.
Gentrifizierung als Fortschrittsmechanik
Auch die Weltkarte wird zunehmend Teil des Unternehmens.
Bestimmte Orte können von uns gentrifiziert werden.
Nach der Aktion verändern sich diese Bereiche sichtbar. Heruntergekommene Flächen bekommen plötzlich grüne Wiesen, wirken gepflegter und deutlich farbenfroher.
Natürlich verpackt das Spiel auch diesen Vorgang wieder in seine komplett überzogene Unternehmenslogik.
Das Interessante daran ist aber, dass unser Fortschritt dadurch sichtbar wird.
Wir expandieren nicht nur über Zahlen oder Menüs.
Die Welt verändert sich tatsächlich mit unserem Unternehmen.

Führerschein machen, Führerschein klauen lassen
Mit weiterem Fortschritt wird außerdem eine Fahrschule freigeschaltet.
Dort absolvieren wir einige kleine Übungen und verdienen uns schließlich unseren Führerschein.
Zumindest theoretisch.
Denn kaum haben wir bestanden, taucht unser ehemaliger Freund wieder auf, klaut uns den Führerschein und sorgt damit direkt für die nächste kleine Spielidee.
Was folgt, ist eine Verfolgungsjagd mit dem Auto.
Genau solche Momente beschreiben ziemlich gut, warum uns Stick It to the Stickman weiterhin unterhält.
Das Spiel verlässt regelmäßig seinen normalen Gameplay Loop und wirft für ein paar Minuten etwas völlig anderes hinein.
Nicht jede dieser Ideen müsste ein eigenes Spiel tragen.
Hier müssen sie das aber auch nicht.
Sie sorgen einfach dafür, dass wir zwischendurch überrascht werden.
Die kleinen Dinge machen den Unterschied
Je länger wir spielen, desto deutlicher wird, dass Stick It to the Stickman nicht ausschließlich von seinem Kampfsystem lebt.
Natürlich bleibt das Prügeln das Fundament.
Aber die kleinen Einfälle drumherum verhindern, dass sich der Ablauf zu schnell abnutzt.
Der Drückeberger, der sich im Menü vor uns versteckt.
Unser Freund, der irgendwann selbst CEO wird.
Die Gehaltswahl.
Die Fahrschule.
Gentrifizierung.
Neue Unternehmensbereiche.
Keines dieser Elemente ist für sich genommen riesig.
Zusammen geben sie dem Spiel aber genau die Abwechslung, die ein so simpler Gameplay Loop braucht.
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Unser bisheriger Eindruck
Bis zu diesem Punkt macht Stick It to the Stickman genau das, was wir uns von einem guten No Brainer wünschen.
Das Kampfsystem ist einfach zu verstehen, fühlt sich aber besonders dann richtig gut an, wenn eine komplette Schlagfolge perfekt aufgeht und Gegner durch den Raum fliegen.
Gleichzeitig sorgt Free Lives ständig dafür, dass zwischen diesen Kämpfen etwas Neues passiert.
Neue Charaktere, absurde Beschreibungen, Unternehmensausbau, unser wiederkehrender Freund, Fahrschule, Weltkarte und kleinere Nebenaktivitäten geben dem Spiel einen Humor, der nicht nur über Dialoge funktioniert.
Er steckt direkt im Gameplay.
Und genau deshalb trägt das Ganze bisher erstaunlich gut.
Stick It to the Stickman ist für uns weiterhin das Spiel, das man eigentlich nur kurz starten wollte und bei dem plötzlich wieder deutlich mehr Zeit vergangen ist als geplant.
Wir werden unseren Weg durch das Unternehmen weiter fortsetzen und in den kommenden Sessions noch genauer beobachten, wie lange diese Mischung aus Brawler, Roguelike und kompletter Büroeskalation ihren Spaßfaktor halten kann.