Captain Tsubasa 2 World Fighters gehört zu den Beiträgen, die durch die Probleme rund um unsere Website später erscheinen als ursprünglich geplant. Unsere Einschätzung zum Spiel hat sich dadurch allerdings nicht verändert.
Sechs Jahre nach Captain Tsubasa: Rise of New Champions wollten wir vor allem wissen, ob World Fighters die guten Ansätze seines Vorgängers sinnvoll weiterentwickelt.
Die Antwort fällt zweigeteilt aus.
Auf dem Platz gelingt das deutlich. Das Fußballspiel fühlt sich strukturierter und flüssiger an, Spezialaktionen greifen besser ineinander und gerade enge Partien können richtig unterhaltsam werden.
Außerhalb der Matches bleibt dagegen überraschend viel Potenzial liegen.
Denn wenn wir schon einen eigenen Charakter erstellen und ihn durch die Welt von Captain Tsubasa begleiten, möchten wir nicht ausschließlich durch seine Geschichte geführt werden.
Wir möchten sie auch selbst erleben.

Der Fußball ist der größte Fortschritt
Captain Tsubasa bleibt auch in World Fighters weit von einer klassischen Fußballsimulation entfernt.
Und genau das ist richtig.
Hier geht es um spektakuläre Schüsse, dramatische Blocks, schnelle Dribblings und Mannschaften, deren besondere Fähigkeiten ein Match innerhalb weniger Sekunden verändern können.
World Fighters vereinfacht mehrere Systeme des Vorgängers und gibt den einzelnen Spielern klarere Rollen. Je nach Position stehen beispielsweise besondere Schüsse, Pässe, Dribblings, Tacklings oder Blocks im Mittelpunkt.
Besonders interessant ist das neue Chain System.
Durch erfolgreiche Aktionen baut die eigene Mannschaft ihr Chain Level auf. Dieser Bonus verstärkt den nächsten Abschluss und macht einen gut vorbereiteten Angriff wesentlich gefährlicher. Verliert man allerdings den Ball, kann der aufgebaute Vorteil zum Gegner wechseln.
Dadurch bekommen einzelne Spielsituationen mehr Bedeutung.
Im Vorgänger entstand teilweise das Gefühl, dass der gegnerische Torwart zunächst mit mehreren Abschlüssen regelrecht heruntergespielt werden musste.
World Fighters gestaltet Torchancen dynamischer.
Ein sauber aufgebauter Angriff kann auch früh im Match zum Erfolg führen.
Das macht die Partien für uns spannender.

Auch Torhüter werden stärker eingebunden
Eine der sinnvolleren Änderungen betrifft die Torhüter.
Bei einem Abschluss entscheidet nicht ausschließlich eine vorgegebene Animation darüber, was passiert. Der Keeper kann auf die Richtung des Schusses reagieren und aus mehreren Möglichkeiten wählen.
Je weiter der Abschluss entfernt ist, desto mehr Zeit bleibt, die Flugbahn einzuschätzen. Aus kurzer Distanz fällt die Reaktion entsprechend schwerer. Zusätzlich besitzen verschiedene Spezialschüsse ungewöhnliche Flugkurven.
Das wirkt zunächst wie eine kleine Ergänzung.
Im Match macht es aber einen spürbaren Unterschied.
Torhüter fühlen sich dadurch stärker wie ein tatsächlich kontrollierbarer Teil der Mannschaft an und weniger wie die letzte automatisierte Barriere vor dem Tor.
Gerade in engen Spielen kann genau das für zusätzliche Spannung sorgen.

Miracle Actions sind genau der richtige Wahnsinn
Dann gibt es noch die Miracle Actions.
Bestimmte Mannschaften können unter passenden Voraussetzungen besondere Teamaktionen auslösen. Welche Bedingungen dafür notwendig sind und welchen Effekt die Aktion anschließend besitzt, unterscheidet sich von Team zu Team.
Genau solche Systeme passen hervorragend zu Captain Tsubasa.
World Fighters muss für uns nicht versuchen, möglichst realistisch zu sein.
Wenn die zweite Halbzeit zunehmend eskaliert, Spezialaktionen aufeinander folgen und ein einzelner Angriff plötzlich wie der Höhepunkt einer Anime Folge inszeniert wird, funktioniert das Spiel am besten.
World Fighters ist dann keine Fußballsimulation mit Anime Lizenz, sondern tatsächlich ein Captain Tsubasa Spiel.

Die besten Story Momente entstehen mitten im Match
Auch erzählerisch funktioniert World Fighters für uns am stärksten, wenn die Geschichte unmittelbar mit dem Fußball verbunden wird.
Bestimmte Spielsituationen können zusätzliche Szenen auslösen. Bekannte Rivalitäten, Beziehungen und Ereignisse greifen dadurch direkt in das Match ein.
Gerade für Fans entstehen dadurch starke Momente.
Man erkennt nicht nur einen bestimmten Spezialschuss, sondern versteht auch die Beziehung zwischen den beteiligten Figuren.
Allerdings funktioniert die technische Umsetzung nicht immer sauber.
Story Szenen innerhalb der Matches werden teilweise durch Ladeübergänge oder Schwarzblenden getrennt. Dadurch verliert das Spiel gelegentlich genau den Rhythmus, den das eigentliche Gameplay zuvor gut aufgebaut hat.
Es ist kein Problem, das den gesamten Spielfluss zerstört.
Es fällt aber auf, weil die stärkeren Sequenzen zeigen, wie gut World Fighters seine Vorlage eigentlich inszenieren kann.
Fans werden deutlich besser abgeholt als Neueinsteiger
Captain Tsubasa 2 kennt seine Zielgruppe.
Bekannte Spieler, Rivalitäten und kleinere Referenzen werden regelmäßig aufgegriffen. Wer Manga oder Anime bereits kennt, dürfte entsprechend mehr aus vielen Begegnungen herausholen.
Neueinsteiger bekommen dagegen weniger Unterstützung.
World Fighters erklärt zwar seine Spielmechaniken, nimmt sich aber weniger Zeit dafür, die Beziehungen zwischen den zahlreichen Figuren von Grund auf aufzubauen.
Das Spiel funktioniert dadurch stärker als Wiedersehen mit einer bekannten Welt und weniger als vollständiger Einstieg in Captain Tsubasa.
Für ein Lizenzspiel ist das nachvollziehbar.
Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt.
Unser eigener Charakter hätte das Herzstück werden können
Zu Beginn erstellen wir unseren eigenen Spieler und begleiten anschließend Tsubasa durch die Geschichte.
Allein dieses Konzept eröffnet sehr viele Möglichkeiten.
Wir treffen bekannte Charaktere, lernen neue Techniken und entwickeln unsere eigene Figur über die Kampagne weiter. Zusätzliche Herausforderungen innerhalb der Matches unterstützen diesen Fortschritt und verlangen teilweise bestimmte Aktionen oder den Einsatz anderer Spieler.
Das Grundgerüst gefällt uns.
Nur macht World Fighters unserer Meinung nach zu wenig daraus.
Die Geschichte bleibt weitgehend linear. Dialogentscheidungen verändern den Verlauf kaum und auch die Entwicklung unseres Spielers ist stärker vorgegeben, als die Charaktererstellung zunächst vermuten lässt.
Damit entsteht für uns ein Widerspruch:
Wir erstellen unsere eigene Figur.
Aber nur selten fühlt es sich wirklich wie unsere eigene Reise an.
Uns fehlen echte RPG Elemente
Genau hier liegt unser größter Kritikpunkt an Captain Tsubasa 2: World Fighters.
Das Spiel hätte für uns deutlich stärker in Richtung Anime RPG gehen dürfen.
Damit meinen wir keine riesige Open World.
Wir brauchen keine kilometerlange Stadt und auch keine hundert belanglosen Nebenaufgaben.
Schon kleine begehbare Bereiche hätten einen großen Unterschied gemacht.
Wir hätten unseren Charakter gerne selbst über bekannte Trainingsplätze, Schulen, Stadien oder kleinere Stadtbereiche bewegt.
Dort könnten bekannte Figuren warten.
Gespräche könnten direkt vor Ort entstehen.
Kleine Aufgaben könnten neue Techniken oder zusätzliche Beziehungen freischalten.
Ein kurzes Schusstraining.
Ein Dribbling Parcours.
Ein Eins gegen Eins mit einem Mannschaftskollegen.
Ausdauertraining.
Vielleicht eine kleine Herausforderung, die am Ende eine besondere Fähigkeit freischaltet.
Das wären keine gigantischen Systeme.
Aber sie würden aus einer Zwischensequenz ein tatsächliches Erlebnis machen.
World Fighters erzählt uns zu häufig, was wir lieber selbst gespielt hätten
Dieses Problem zieht sich durch mehrere Bereiche.
Nach bestimmten Abschnitten werden zusätzliche Szenen und Ereignisse rund um andere Mannschaften freigeschaltet.
Gerade für Fans kann das interessant sein.
Spielbar ist davon allerdings längst nicht alles.
Und genau da fragen wir uns immer wieder:
Warum eigentlich nicht?
Wenn uns das Spiel ohnehin zeigt, was bei einer anderen Mannschaft passiert, warum dürfen wir diese Partie nicht gelegentlich selbst übernehmen?
Ein kurzer Perspektivwechsel hätte mehrere Vorteile.
Wir könnten neue Mannschaften kennenlernen, andere Fähigkeiten ausprobieren und gleichzeitig mehr spielerische Abwechslung bekommen.
Die Inhalte sind teilweise vorhanden.
Sie werden nur zu häufig passiv präsentiert.
Auch Bonding hätte spielerischer sein dürfen
Dasselbe gilt für die Beziehungen zu anderen Charakteren.
World Fighters besitzt zusätzliche Link und Bonding Momente, in denen unser eigener Spieler mit bekannten Figuren interagiert und neue Fähigkeiten kennenlernen kann.
Gerade hier hätten sich RPG Elemente besonders angeboten.
Statt eine Beziehung hauptsächlich über ein Gespräch aufzubauen, könnte ein gemeinsames Training daraus Gameplay machen.
Eine bestandene Herausforderung könnte eine neue Technik freischalten.
Ein kleines Duell könnte beeinflussen, welche Fähigkeit wir übernehmen.
Bestimmte Entscheidungen könnten dafür sorgen, dass sich unsere Figur stärker an einzelne Spieler oder Mannschaften bindet.
Damit würde World Fighters dieselben Beziehungen erzählen.
Wir wären allerdings stärker daran beteiligt.
Wir möchten nicht nur erfahren, dass unser Charakter trainiert hat. Wir möchten dieses Training spielen.
Der Umfang ist nicht das eigentliche Problem
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung.
Captain Tsubasa 2 ist nicht zwangsläufig zu klein.
Die Story besitzt mehrere Abschnitte, zusätzliche Routen, Rivalen Episoden und optionale Herausforderungen. Dazu kommen zahlreiche Mannschaften, Versus Möglichkeiten und Online Partien.
Unser Problem liegt daher nicht primär bei der Menge.
Es liegt bei der Struktur.
Zu häufig entsteht derselbe Rhythmus:
Gespräch.
Szene.
Match.
Nächstes Gespräch.
Nächstes Match.
Mehr kleine spielerische Aktivitäten hätten World Fighters nicht zwangsläufig länger gemacht.
Aber sie hätten dafür gesorgt, dass sich die vorhandenen Stunden abwechslungsreicher und persönlicher anfühlen.
Die Herausforderungen zeigen, wie es besser funktionieren kann
Positiv fallen deshalb die optionalen Ziele innerhalb der Story auf.
Sie verlangen bestimmte Aktionen und können dafür sorgen, dass wir nicht jedes Match mit derselben Strategie bestreiten.
Gleichzeitig unterstützen sie die Entwicklung unseres eigenen Charakters.
Genau davon hätten wir gerne häufiger etwas gesehen.
World Fighters besitzt genügend Mechaniken, um Spieler zum Experimentieren zu bringen.
Die Kampagne verlangt es nur nicht konsequent genug.
Hat man eine funktionierende Kombination aus Spielern und Fähigkeiten gefunden, gibt es häufig wenig Grund, das eigene Vorgehen grundlegend zu verändern.
Die Challenges durchbrechen dieses Muster zumindest gelegentlich.
Viele Mannschaften, aber nicht überall dieselbe Freiheit
Beim Umfang der Teams kann World Fighters durchaus etwas bieten.
Nach den vorliegenden Informationen stehen 22 Nationalmannschaften und zwölf Clubs zur Verfügung. Ein Teil davon muss allerdings zunächst über die Story freigeschaltet werden.
Gerade bei einem Fußballspiel finden wir diese Entscheidung etwas merkwürdig.
Fortschritt darf gerne belohnt werden.
Wir würden aber lieber früh möglichst viele Mannschaften auswählen können und stattdessen kosmetische Inhalte, Fähigkeiten oder andere Extras freischalten.
Auch bei den Anpassungsmöglichkeiten gibt es Unterschiede.
Japan bekommt erwartungsgemäß besonders viele Optionen, während andere Teams weniger flexibel verändert werden können.
Gerade bei einem Kader dieser Größe hätten wir uns hier etwas mehr Freiheit gewünscht.
Online kann das bessere Gameplay langfristig tragen
Der Online Modus ist grundsätzlich genau der Bereich, in dem das verbesserte Gameplay langfristig besonders interessant werden kann.
Gegen menschliche Gegner bekommen Mechaniken wie Chain Level, Dribblings und Torwartreaktionen automatisch eine andere Dynamik, weil das Verhalten des Gegners weniger vorhersehbar ist.
Eine Einschränkung bleibt allerdings:
Die frei zusammengestellte Traummannschaft des Vorgängers existiert in dieser Form nicht mehr.
Stattdessen wird eine bestehende Mannschaft gewählt und der eigene Charakter kann darin integriert werden.
Das funktioniert.
Gerade bei Captain Tsubasa und seiner großen Figurenvielfalt hätten wir aber gerne noch stärker mit vollständig eigenen Teamkombinationen experimentiert.
Auf dem Platz verstehen wir den Nachfolger
Je länger wir World Fighters gespielt haben, desto deutlicher wurde für uns der Kontrast.
Auf dem Platz verstehen wir nahezu jede größere Veränderung.
Das Chain System macht Angriffe spannender.
Torhüter werden aktiver eingebunden.
Super Aktionen greifen besser ineinander.
Miracle Actions unterstreichen die Identität der Mannschaften.
Und die Inszenierung sorgt weiterhin dafür, dass Captain Tsubasa nicht wie ein gewöhnliches Fußballspiel wirkt.
Außerhalb des Platzes bleibt dagegen viel Potenzial liegen.
Und das ist besonders schade, weil genau dort unser eigener Charakter seine größte Stärke hätte entfalten können.

Unser Fazit zu Captain Tsubasa 2: World Fighters
Captain Tsubasa 2: World Fighters ist für uns auf dem Platz der bessere Nachfolger.
Das Gameplay ist flüssiger und sinnvoll weiterentwickelt.
Das Chain System gibt Angriffen mehr Bedeutung.
Torhüter werden aktiver eingebunden.
Miracle Actions passen hervorragend zur Vorlage.
Und die spektakuläre Inszenierung trifft weiterhin genau das Anime Gefühl, das wir von Captain Tsubasa erwarten.
Unser größter Kritikpunkt beginnt nach dem Abpfiff.
Wir erstellen einen eigenen Charakter, bewegen uns aber kaum selbst durch seine Welt.
Wir bauen Beziehungen auf, erleben sie überwiegend in Gesprächen.
Wir entwickeln neue Fähigkeiten, spielen den Weg dorthin aber zu selten selbst.
Uns fehlen kleine begehbare Bereiche, Trainingsmöglichkeiten, Minispiele und Momente abseits des Rasens.
Dafür hätte World Fighters keine Open World gebraucht.
Es hätte einfach mehr Welt gebraucht.
Genau deshalb fällt unser Eindruck trotz des deutlich verbesserten Fußballs etwas zwiespältig aus.
World Fighters versteht sehr gut, was Captain Tsubasa auf dem Platz ausmacht.
Der Schritt vom guten Anime Fußballspiel zum wirklichen Captain Tsubasa RPG Erlebnis bleibt für uns aber aus.
Wir spielen gerne in dieser Welt.
Wir hätten nur gerne noch mehr Zeit damit verbracht, tatsächlich in ihr zu leben.